Auch Jerez, wie die Stadt von den Einheimischen genannt wird, erreichten wir nach etwa 60 Minuten. Unser Navi führte uns durch zum Teil sehr enge Gässchen und, wie geplant, direkt ins Zentrum, wo wir bei der Markthalle in eine Tiefgarage (Interparking Market Center) fuhren.
Der Himmel über Jerez de la Frontera war grau, und es nieselte, als Mary und ich den Plaza Esteve betraten. Da kam uns die Markthalle als Start für unsere Stadtbesichtigung sehr entgegen. Doch es sollte noch einige Zeit vergehen, bis sich schließlich die Sonne zeigte.
Nicht weit entfernt lag der Plaza del Arenal. Auf einem Sockel inmitten eines sprudelnden Springbrunnens erblickten wir ein Denkmal bestehend aus Ross und Reiter, auf dem zahlreiche Tauben ihre Hinterlassenschaften mehr oder weniger gleichmäßig verteilten …
Bliebe noch festzuhalten, was meine nachträgliche Recherche in der Heimat zutage förderte:
Der Herr mit dem Taubendreck auf Kopf und Kragen, ein gewisser General Miguel Primo de Rivera, hatte seinerzeit gute Beziehungen zu König Alfons XIII., mit dessen Billigung er in den 1920er-Jahren eine rechtsgerichtete Diktatur installierte. Auch der Einsatz von chemischen Waffen im Zweiten Marokkanischen Krieg konnte nicht verhindern, dass ihm zu Ehren in seiner Geburtsstadt (Jerez) ein Denkmal gesetzt wurde. Wie unterschiedlich in Europa doch mit der Vergangenheit umgegangen wird!
Ein stolzer Reiter und morbide Schönheit
Unter den Arkaden, dem Denkmal gegenüber fanden wir das Tourismusbüro. Eine sehr nette und kompetente Dame gab uns einige gute Tipps: Die Kirche San Miguel, den Alcázar, die Kathedrale und Flamenco im El Pasaje sollten wir uns unbedingt anschauen. Am heutigen Montag sei der Eintritt für Senioren im Alcázar sogar frei. Leider versäumte sie es, Mary und mir mitzuteilen, dass die Flamenco Tänzer am Nachmittag bis hin zum Abend eine Pause machten.
Die Kirche San Miguel
Die Dame im Tourismusbüro hatte nicht übertrieben, als sie uns den Besuch dieser Kirche besonders ans Herz legte. Tatsächlich konnte der immer noch leichte Nieselregen nicht die Einzigartigkeit der wunderbar gestalteten Fassade trüben. Insbesondere die Säulen an den Eingangsbereichen, waren derart filigran gearbeitet, dass sie wie in Stein gemeißelte Schnitzereien wirkten. So ergab sich für uns ein Gesamteindruck von außergewöhnlicher Schönheit und Eleganz.
Innenraum von San Miguel
Zwischen der Iglesia de San Miguel und dem Alcázar fanden wir auf halbem Weg die Bar Mi Rincón, wo Mary und ich an einem wenig befahrenen Kreisverkehr einfach, aber lecker zu Mittag speisten.
Bis zum Alcázar war es anschließend nicht mehr weit. Leider erfuhren wir beim Betreten der Festung, dass sie nur bis um 15 Uhr geöffnet sei. Uns blieb folglich noch eine knappe Dreiviertelstunde. Zeit genug, für eine Reihe schöner Außenaufnahmen, zumal sich die Sonne wieder zeigte.
Im Alcázar von Jerez de la Frontera
Natürlich wäre unsere Zeit für eine umfassende Besichtigung der Festung auch ohne die eingeschränkte Öffnungszeit einigermaßen knapp gewesen, da wir uns ja noch mehr ansehen wollten. Will man eine Stadt wie Jerez wirklich genießen und nicht nur einen oberflächlichen Eindruck erhalten, sollte man mindestens eine Übernachtung einplanen.
Bei unserem Rundgang durch die Anlage entdeckten wir ein orientalisches Bad (Hammam), gingen ein kleines Stück auf der Außenmauer entlang und schauten uns die Zisterne an.
Für uns wurde es nun Zeit, uns zum Ausgang zu begeben, um die Geduld des Aufsichtspersonals nicht unnötig zu strapazieren. Dabei erforderte ein wenig begangener und holpriger Weg unsere erhöhte Aufmerksamkeit. Noch eine schöne Aufnahme am Palacio vorbei mit der nahegelegenen Kathedrale daneben, ein rascher Blick ins Innere der Moschee – das war`s.
Die Kathedrale von Jerez
Vom Alcazar zur Kathedrale war es nur ein Katzensprung. Mary und ich gingen zunächst an einer kleinen Allee mit Orangenbäumen vorbei, ehe wir zum Haus des Abtes (Spanisch) gelangten. Wie ich später im Internet nachlesen konnte, fanden hier umfassende archäologische Arbeiten (Spanisch) statt.
Der Innenraum des Gotteshauses war, wie die meisten seiner Art, beeindruckend. Wenngleich derlei Eindrücke über die Zeit einer gewissen Abnutzung unterliegen. Denn irgendwie wiederholt sich Gesehenes – ganz gleich, ob es sich um Kirchen, Burgen und Schlösser oder um alte Tempelanlagen handelt.
Trotzdem gelangt unter Umständen Vergessenes durch häufige Auffrischung zurück ins menschliche Bewusstsein und wird so möglicherweise unsterblich für den jeweiligen Betrachter.
Bei Gemälden hingegen scheint es mir anders zu sein, weil die Einzigartigkeit auf kleinem Raum – nämlich auf eine Leinwand – gebannt ist! So kann das menschliche Auge nicht abschweifen, wie dies vielleicht im Universum einer Kirche der Fall ist.
Impressionen
Nach nunmehr fast 6 Stunden in Jerez wollten wir uns zum guten Schluss noch Flamenco im
El Pasaje (Spanisch) anschauen. Wir überquerten den Plaza de la Asunción mit dem Alten Rathaus, gingen an der Kirche San Dionisio vorbei, die den Schutzpatron der Stadt beherbergt, entdeckten das Restaurant Gallo Azul, ehe wir schließlich gegen 16 Uhr das El Pasaje erreichten. Aber welch eine Enttäuschung: Die Flamenco-Gruppe machte von 15:30 bis 19:30 Uhr Pause. Schade, wir hätten uns besser informieren sollen …
Da wir noch etwas Zeit hatten, tranken Mary und ich noch einen Kaffee in der Fußgängerzone, ehe wir schließlich zum Hotel zurückfuhren.