Tansania Teil 15 – Mittwoch, 26.09.18

Fahrt zum Nyumba ya Mungu See – ein Friedhof – beim Fischfang – das Dorf „Kiti Cha Mungu“ – Picknick

Allen schätzte die zu fahrende Strecke auf rund 80 km, womit er gut lag. Wir befuhren die T 2 (so die Straßenbeschilderung vor Ort), welche uns in entgegengesetzter Richtung schon nach Arusha geführt hatte. Etwa 5 km hinter Uchira knickte die Straße nach Süden ab, und für kurze Zeit bewegten wir uns unweit der kenianischen Grenze. Schon bald erhob sich linker Hand der nördliche Teil des Pare-Gebirges, das weiter südlich bis zu einer Höhe von 2463 m ansteigt.
Nach einer Weile war Schluss mit der guten Wegstrecke, denn wir mussten, um den See zu erreichen, rechts in eine der typischen huckeligen Pisten einbiegen. Die ganze Gegend wirkte absolut unbewohnt. Umso überraschter waren wir, als plötzlich wie aus dem Nichts vor uns Kinder in Schuluniformen auftauchten, die zielstrebig ihres Weges gingen, ohne dass für unsere Augen ein Ziel auszumachen gewesen wäre.
Bei diesen Straßenverhältnissen waren viel mehr als 40 km/h nicht drin, und so brauchten wir für die letzten 20 km eine halbe Stunde, ehe wir im rötlichen Sand, kaum einen Steinwurf von der Straße entfernt, Grabsteine erblickten, sicheres Anzeichen für einen Friedhof mit naher Ortschaft.


Erste Häuser

Langsam passierten wir kleine Gehöfte und vereinzelt liegende Häuser. Etwas weiter erwartete uns ein ausgesprochen sorgfältig gestaltetes Schild mit dem Namen des Dorfes „Kiti Cha Mungu“ (Gottes Thron) und mit Hinweis auf eine Grundschule. Auch der Ort selbst sollte sich, wie wir später feststellten, sehr ansprechend präsentieren.

Allen erklärte uns, dass in früheren Zeiten die Menschen den See wegen seines lebensnotwendigen Wassers und seines Fischreichtums als Wohnstätte Gottes (Nyumba ya Mungu) angesehen und verehrt hätten. Daher trügen die Dörfer um ihn herum in ihren Ortsnamen die zusätzliche Bezeichnung „Mungu“ (Gott).


Am See

Obwohl er seit acht Jahren nicht mehr hier gewesen war, fuhr Allen geradewegs zum See und parkte das Auto direkt am Ufer. Fotografieren sei kein Problem, meinte er. Dennoch versuchte ich, möglichst unauffällig vorzugehen.
Manchmal gab es auch ein kleines Lächeln, meistens aus den Reihen der weiblichen Dorfbewohner, das quasi einer Aufforderung gleichkam. Ein Motorradbesitzer hingegen ließ sich nicht lange bitten und stellte sich stolz vor seine frisch geputzte Maschine.


Fischfang
 

Wir konnten nun direkt am Wasser stehend aus nächster Nähe beobachten, wie einige junge Männer ein großes Netz langsam einholten. Viele Erwachsene und auch Kinder standen drum herum und begutachteten den Fang.
Es gab kein Gedränge oder gar Streit, sodass wir annehmen konnten, dass die Verteilung geregelt sei. Die Ausbeute schien gut und füllte einige große Eimer. Allen erklärte uns, dass die Dörfer am See jeweils Abgaben an den Staat zu zahlen und damit die Fangerlaubnis erworben hätten.


Im Dorf
 

Als der Fisch verteilt war, verließen auch wir den See, um im Dorf einen Platz zu suchen, wo wir etwas zu Trinken bekämen. Allen hielt an einem winzigen Laden, der sogar gekühlte Getränke anbot.
Unterwegs konnte ich einige Impressionen dieser kleinen, aber gepflegten Ortschaft einfangen.


Picknick
 

Als Allen sagte, er würde nun eine Stelle suchen, wo wir zu Mittag essen könnten, dachte ich zunächst an ein Restaurant. Wir fuhren ein paar Kilometer durch sehr unwegsames Gelände, ehe wir wieder den See, bzw. einen Seitenarm davon in Sichtweite hatten.
Ich stellte mir eine Lokalität mit schöner Terrasse und Blick auf das Wasser vor, aber Allen lächelte nur und meinte, so etwas gäbe es hier nicht – keine Touristen!
Plötzlich fuhren wir über ein Stück betonierte Fläche und auf einen großen Baum zu, der nahe am Wasser stand. Ein junger Massai saß dort bereits auf einer Wurzel im Schatten. Bei einer kleinen Ziegenherde hielt sich ein zweiter Junge auf.
Hier sei ein guter Platz, erklärte Allen und zauberte einige Lunchpakete aus dem Auto, die er am frühen Morgen schon für uns besorgt hatte. Wir setzten uns ebenfalls in den Schatten und ließen es uns schmecken.


Rückfahrt
 

Nach dem Essen ließ Allen uns für eine Weile allein, um sich nach dem Weg zu erkundigen. Als er zurückkam, erklärte er, dass wir hier ohne Allrad nicht weiterkämen und dieselbe Strecke zurückmüssten.
Bald befuhren wir wieder die Hauptstraße, wo wir vor einem Hotel mit einem schönen Garten parkten. Bei einem Getränk in angenehmer Atmosphäre machten wir eine Pause, ehe wir weiterfuhren.
Unterwegs hielt Allen noch einmal bei Leuten an, die an der Straße frischen Fisch aus dem See verkauften, an dem wir zuvor ebenfalls gewesen waren. Ich fragte mich, wie sie so schnell sein konnten, denn wir hatten bis hierher ziemlich lange gebraucht. Sie seien mit ihren Mopeds querfeldein gefahren und hätten so den Weg abgekürzt, beantwortete Allen meine Frage.

Bevor wir nach Mdawi hochfuhren, musste Allen noch einige Einkäufe tätigen. Bei der Gelegenheit kaufte ich für uns einen Besen.
Mit Einbruch der Dunkelheit waren wir schließlich wieder zurück. Wir bedankten uns für den abwechslungsreichen Tag und ließen ihn bei einer Flasche Wein, die wir ebenfalls unterwegs gekauft hatten, auf unserer Terrasse ausklingen.

 

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