Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, bei Sonnenaufgang in einem Schiff auf dem Nil wachzuwerden, die Tür zum französischen Balkon zu öffnen und auf den Fluss zu schauen, der träge dahinfließt. Einzelne Fischer waren in ihren kleinen Booten unterwegs, um sich für ihre Familien eine Mahlzeit zu sichern. Da wir uns in der Wüste befanden, waren die Tage heiß und die Nächte zum Teil empfindlich kühl. Wir genossen die Ruhe auf dem Fluss und bereiteten uns auf den Tag vor.
Für die 16 Kilometer bis zum Karnak-Tempel benötigte unser Bus 25 Minuten. Einen Teil der Strecke fuhren wir an einem Kanal entlang. Ehe wir schließlich die beeindruckende Anlage betraten, sahen wir noch, wie langsam einige Heißluftballons in den dunstigen Himmel aufstiegen. Mittlerweile war man auch erfreut darüber, dass wir um 8 Uhr tatsächlich zu den ersten Besuchern gehörten.
Karnak-Tempel
Obwohl Mary und ich hier bereits im Jahr 2011 im Rahmen einer Tagestour gewesen waren, hatte die Stätte für uns nichts von ihrer Faszination eingebüßt und gehörte nach wie vor zu den beeindruckendsten Bauwerken aus früheren Zeiten, die wir jemals gesehen hatten!
Sekhmet Papyrus Galerie
Bis zur Galerie waren es nur ein paar hundert Meter. Hier zeigte uns eine junge Angestellte sehr anschaulich, wie aus der Papyruspflanze ein Blatt entstand, auf dem man schreiben konnte und das sich auch bemalen ließ. Wann das erste Blatt angefertigt wurde, ist allerdings nicht genau bekannt.
Herstellung eines Papyrusblattes
Der Halm der Pflanze ist gerundet-dreikantig und ähnelt folglich dem Grundriss einer Pyramide, wie man uns erklärte.
Zunächst wird die Außenschale abgeschält, das innere Mark schneidet man in dünne Streifen, die mit einem Hammer plattgeklopft werden. Dann gibt man sie zum Einweichen in ein Wasserbad. Entsprechende Chemikalien können den Prozess beschleunigen. Später legt man die Papyrusstreifen auf einer Länge von ca. 40 cm nebeneinander, so dass sie sich leicht überlappen. Anschließend platziert man eine weitere Schicht quer über diese Reihe. Dann wird das Ganze zwischen saugfähiges Material gelegt und trocken gepresst. Mit einem scharfen Stein, einer Muschel oder einem Stück Holz wird das Blatt schließlich geglättet, damit der Schreibgriffel beim Schreiben nicht hängen bleibt.
Die Ausstellung war ziemlich groß, und erfreulicherweise wurde man nicht zum Kauf gedrängt. Ehe wir zum nahegelegenen Luxor-Tempel aufbrachen, blieb genügend Zeit, um gegebenenfalls eines der wirklich schönen auf Papyrus gemalten Bilder zu kaufen.
Luxor-Tempel
Diese Tempelanlage ist von ihren Ausmaßen her nicht annähernd so riesig wie der von Karnak. Hier nur zum Vergleich die Maße der Pylone:
Pylon Luxor-Tempel: 65 m breit und 24 m hoch
Pylon Karnak-Tempel: 113 m breit und 45 m hoch
Bemerkenswert:
Über die 2,5 km lange Sphinx Allee zwischen dem Karnak-Tempel und dem Luxor-Tempel wurden einmal im Jahr – zum ägyptischen Neujahrstag die Statuen der Götter Amun, Mut und Chons in tragbaren Barken zum Luxor-Tempel gebracht. Die Allee wurde in der Antike beidseitig von insgesamt etwa 1.300 Sphingen gesäumt, so wird vermutet. Heute sind nach intensiven Ausgrabungen wieder hunderte dieser Statuen restauriert worden und entlang der Strecke sichtbar. Mit einer aufwändigen Zeremonie (auf dem Video ab 1:29:00 sehr schön anzusehen) wurde die vom Sand freigelegte historische Sphingenallee am 25. November 2021 in Luxor wiedereröffnet.
Vor dem großen Pylon waren in der Antike zwei Obelisken Ramses II. aufgestellt. Heute ist jedoch nur noch ein Obelisk vorhanden. Der zweite Obelisk steht als Geschenk von Sultan Muhammad Ali an den König von Frankreich seit 1836 auf dem Place de la Concorde in Paris. Im Austausch erhielt Muhammad Ali eine Turmuhr für die Alabastermoschee in Kairo.








































