Mexiko Teil 5 – Valladolid – Ek Balam

10.04. – Vormittags: Ek Balam über Temozón

Von Valladolid aus ging es zunächst nach Norden zur 30 km entfernten Ausgrabungsstätte
„Ek Balam“, die erst 1997 frei gelegt wurde. Wir fuhren durch den hübschen Ort „Temozón“, und da wir dies an einem Sonntag Morgen taten, war in der Kirche die Messe gerade in vollem Gange. Mary wünschte anzuhalten, um sich die Zeremonie anschauen zu können. Also parkte ich ganz in der Nähe an einer Raststätte.
Vor der Kirche befand sich ein Fußgängerüberweg, den wir zügig nutzen wollten. Doch eine Art Lotse – bereits recht betagt – bedeutete uns, stehen zu bleiben. Und erst als der kleinwüchsige Mann mit seiner schmächtigen Figur die Hauptstraße nach beiden Seiten abgesperrt hatte und der einzige Autofahrer, der um diese Zeit den Ort „Temozón“ passieren wollte, tatsächlich unmittelbar vor dem Lotsen anhielt, durften wir die Straße überqueren und gelangten auf diese Weise unversehrt zur Kirche.
In den darauf folgenden Minuten machte ich eine Reihe von Fotos, während sich Mary interessiert anhörte, wie der Dorfpfarrer seine Schäfchen abkanzelte. Um das Ganze zu guter Letzt noch einigermaßen versöhnlich zu gestalten, traf sich die Gemeinde im Anschluss an die Messe vor der Kirche, wo allerhand selbst gebackene Leckereien gereicht wurden.

Nachdem ich in der Raststätte, vor der wir parkten, noch Mineralwasser gekauft hatte, setzten wir unsere Fahrt nach Ek Balam fort. An der Ausgrabungsstätte waren erfreulich wenige Menschen, und auch die Temperatur war um 10 Uhr morgens noch recht angenehm. Hinzu kam, dass es bewölkt war. Vor der großen Pyramide oder auch „Akropolis“ genannt trafen wir wiederum die jungen Leute aus Leipzig, die sich mit „Anne“ und „Alex“ vorstellten.
Schnell waren wir uns einig, dass wir auf die Pyramide klettern und uns gegenseitig fotografieren wollten. Immerhin war sie 31 m hoch und hatte 106 Stufen. Hinauf ist bekanntlich für die meisten Menschen kein Problem. Kommt man jedoch oben an und schaut hinunter, dann wird`s unter Umständen kritisch. Häufig sahen wir daher alle möglichen Leute auf dem Hosenboden Stufe für Stufe nach unten hoppeln.
Ich kompensierte meine Höhenangst, indem ich beim Abstieg konzentriert auf meine Füße schaute.
Doch zuvor machten wir einige schöne Fotos mit spektakulären Ausblicken über das Gelände.


Was bedeutet eigentlich „Estructura“?

Uns war aufgefallen, dass an Ausgrabungsstätten einzelne Bauwerke mit „Estructura“ (Struktur) bezeichnet und durchnummeriert worden waren. Auch gab es Bezeichnungen wie „Akropolis“, „Nonnenviereck“ oder „Schildkrötenhaus“, um nur einige zu nennen. Klar ist, dass diese Namen nichts über die wirkliche Funktionalität der jeweiligen Gebäude aussagen und die Bezeichnungen auch nicht von den Mayas stammen. Vielmehr wurden sie von den Spaniern so benannt und basieren auf Vermutungen bzw. orientieren sich an Äußerlichkeiten. Die Bezeichnung „Akropolis“ entstammt beispielsweise der griechischen Sprache und hat kaum Bezug zur Welt der Mayas. Beim „Nonnenviereck“ kann man davon ausgehen, dass es Nonnen im Leben der Mayas garantiert nicht gab. Das „Schildkrötenhaus“ wurde wegen seines Dekors im oberen Gesims so genannt, und wohl kaum, weil in dem Gebäude Schildkröten lebten.

Im Gegensatz dazu sind durchnummerierte „Estructuras“ von 1 bis … oder „Palast“ I, II … neutral und schließen somit jegliche Fehlinterpretation von vorneherein aus. Es gibt aber auch Benennungen, die sich einfach an den Himmelsrichtungen orientieren wie z. B. „Nordtempel“ oder „Südtempel“.

Dabei kann man auf schriftliche Überlieferungen der Mayas erst seit wenigen Jahren zurückgreifen, denn im 16. Jh. ließ der katholische Bischof von Yucatán Diego de Landa fast alle brennbaren Schriftträger vernichten, um die Mayas komplett ihrer Identität zu berauben. Die wenigen erhaltenen sogenannten Maya-Codices galten noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts als unlösbares Problem.

Mittlerweile wurde die Schrift entschlüsselt und konnte den Mayas „zurück gegeben“ werden, sodass sie in den Schulen wieder gelernt werden kann.

10.04. – Nachmittags: Friedhof in Libre Union, einem kleinen Ort 23 km westlich von Pisté

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